Zebras mit souveränem Heimsieg gegen Leipzig

Die unglückliche EHF-Champions-League-Niederlage von Aalborg hat bei den Zebras kaum Spuren hinterlassen. Am Sonntag spielte sich der THW Kiel in der Wunderino Arena gegen den SC DHfK Leipzig den Ärger von der Seele, agierte über weite Strecken der Partie souverän und gewann auch dank eines stark aufgelegten Niklas Landin mit 32:28 (13:11). Damit festigte der Rekordmeister Rang zwei in der LIQUI MOLY Handball-Bundesliga. Treffsicherster Schütze in Reihen der Kieler war einmal mehr Niclas Ekberg. Der Schwede netzte achtmal ein, davon viermal von der Siebenmeterlinie, und zementierte in der Bundesliga-Scorerliste Rang eins mit jetzt 84 Toren in 13 Spielen. Für Leipzig war neben der Flügelzange Binder/Krzikalla ein ehemalige Zebras am erfolgreichsten: Oskar Sunnefeldt traf bei seinem ersten Spiel vor vollen Rängen in Kiel ebenso wie die beiden Außen fünf Mal.

JUBEL ÜBER VERTRAGSVERLÄNGERUNGEN DER "KIELER JUNGS"

Jubel gab es schon vor dem Anpfiff:  Auf dem Videowürfel verkündete ein grüner Haken hinter den Namen und Fotos von Rune Dahmke (siehe Extra-Bericht) und Sven Ehrig (siehe Extra-Artikel) die frohe Kunde am 1. Advent: Beide Kieler Jungs haben ihren Vertrag bis 2024 verlängert. Und: Auch Kapitän Domagoj Duvnjak hatte nach seiner verletzungsbedingten Pause in Aalborg wieder das THW-Trikot übergestreift, nahm zunächst auf der Bank Platz, um ab der 21. Minute zunächst den Störenfried bei der zu diesem Zeitpunkt offensiven Kieler Abwehrformation zu spielen, "Dule" mischte dann auch im Angriff mit, gab wichtige Impulse für den verdienten Kieler Erfolg.

AUSGEGLICHENER START

Spielfreude pur: Niclas Ekberg traf acht Mal

Besinnlichkeit am ersten Advent? Pustekuchen. Denn zunächst ging der Gast in Führung. Binder traf zweimal von Linksaußen zum 1:0 und 2:1 für die Gäste, Sander Sagosen glich zum 1:1 aus, Patrick Wiencek traf vom Kreis zum 2:2, und als Harald Reinkind die Zebras in der 8. Minute mit viel Wucht erstmals zum 3:2 in Front brachte, Steffen Weinhold das 4:2 folgen ließ, hatte Kiel das Spiel im Griff. Dennoch blieben die Akteure von der Deutschen Hochschule für Körperkultur (DHfK) zunächst auf Tuchfühlung, Jotic erzielte nach 14 Minuten das 6:7, Binder das 7:8, ehe Rune Dahmke und zweimal Ekberg den THW beim 11:7 erstmals auf vier Tore davoneilen ließ. 

KNAPPER PAUSEN-STAND

Auch Hendrik Pekeler und Steffen Weinhold sorgten für Druck

Basis für die schnellen Tore war einmal mehr Kiels giftige Defensive, die die Lücken stopfte und mit Niklas Landin einen starken Rückhalt im Tor hatte. Neun Bälle entschärfte der dänische Weltklassemann in der ersten Halbzeit, sechs Glanzparaden gesellten sich in Halbzeit zwei dazu. Niclas Ekberg brachte den THW in der 26. Minute mit 13:9 in Front. Einmal mehr per Siebenmeter, ungewöhnlich in diesem Fall war nur, dass Kiels Rechtsaußen selbst gefoult worden war. Wie selbstverständlich übernahm er auch für diesen Strafwurf die Verantwortung, traf. Allerdings leisteten sich die Zebras im ersten Durchgang auch zahlreiche Fehler und ließen einige klare Chancen ungenutzt. Ein Grund dafür, dass es nur mit dem engen 13:11-Halbzeitstand in die Kabinen ging. Den anderen Grund hatten die Leipziger vor allem einem ehemaligen Kieler zu verdanken: Oskar Sunnefeldt traf vor der Pause dreimal ins Tor seiner ehemaligen Mitspieler. 

5:0-LAUF DER KIELER UND FAIRPLAY

Es ging beherzt zur Sache - das bekam auch Regisseur Sander Sagosen zu spüren

Die kehrten mit extrem starkem Torhunger in Halbzeit zwei zurück, Niclas Ekberg erzielte das 14:11 per Siebenmeter, Ernst verkürzte auf 12:14, und nach dem 13:15, das Alen Milosevic in der 34. Minute erzielte, galoppierten die Zebras mit einem 5:0-Lauf auf 20:13 davon. Die Torschützen: zweimal Steffen Weinhold, zweimal Sander Sagosen und einmal Magnus Landin. "Meine Jungs sind mit ganz viel Spielfreude in die zweite Halbzeit zurückgekehrt, da habe ich viele gute Sachen gesehen", analysierte Trainer Filip Jicha später. "Nach dem 5:0-Lauf glaubte ich dann, dass alles gelaufen sei. Aber leider haben wir dann einige Fehler gemacht." Die Aktion des Spiels gehörte aber Leipzigs Kroaten Lovro Jotic: Er überzeugte das Schiedsrichtergespann, eine Zeitstrafe gegen Domagoj Duvnjak zurückzunehmen, indem er ihnen klar machte, von dem Kieler Kapitän nicht im Gesicht getroffen worden zu sein. Handball ist Fairplay - das zeigte diese Szene einmal mehr. 

LANDIN NAGELT DEN KASTEN ZU

Schlusspunkt nach Traum-Anspiel: Patrick Wiencek

Doch zurück zum Spiel: Die technischen Fehler der Zebras brachten die Gäste tatsächlich noch einmal heran. Nach Sagosens 26:18 brauchte Leipzig nur etwas mehr als 100 Sekunden, um mit einem 3:0-Lauf wieder im Rennen zu sein. Als Rechtsaußen Lucas Krzikalla in der 47. Minute zum 21:24 traf, griff Jicha zur Grünen Karte, die Auszeit verfehlte ihre Wirkung nicht. Auch, weil Niklas Landin folglich seinen Kasten vorübergehend zunagelte, mit Glanzparaden gegen Sunnefeldt, Binder und Milosevic die Kieler 28:22-Führung ermöglichte. Als Harald Reinkind mit seinem fünften Tor in der 55. Minute zum 29:23 einnetzte, war die Vorentscheidung gefallen. Das Sahnehäubchen zelebrierte dann noch Miha Zarabec, als er Patrick Wiencek mit einem No-Look-Pass rückwärts über die eigene Schulter bediente. Kiels Kreisläufer vollendete unter dem Jubel der Fans - zwei wichtige Zähler waren eingetütet.

DONNERSTAG HEIMSPIEL GEGEN VARDAR SKOPJE

Harald Reinkind ließ es fünf Mal krachen

Die Kieler Handballer müssen nach dem Heimsieg gegen Leipzig nicht sofort wieder auf Reisen gehen, dann auch am Donnerstag können sie auf die Unterstützung ihrer Fans bauen: Gegen den zweimaligen Champions-League-Sieger HC Vardar 1961 aus Skopje geht es für die Kieler im letzten Königsklassen-Heimspiel des Jahres 2021 um zwei ganz wichtige Punkte im Rennen um die ersten beiden Gruppenplätze. Karten für die Partie, die um 20:45 Uhr angepfiffen wird, gibt es online unter www.thw-tickets.de, bei CITTI, in allen famila-Märkten mit Ticketservice und in der THW-FANWELT. Weiter geht's gegen Skopje, Kiel!  

Text: Reimer Plöhn / Fotos: Sascha Klahn

LIQUI MOLY HBL, 13. SPIELTAG: THW KIEL - SC DHFK LEIPZIG: 32:28 (13:11)

Die Zebras bleiben nach dem Heimspiel gegen den BHC im Lande: Bereits am Sonntag sind sie wieder in der Wunderino Arena gefordert. Zu Gast ist ab 14 Uhr (ACHTUNG: neue Anwurfzeit) die TSV Hannover-Burgdorf, die mit dem ehemaligen Bundestrainer Christian Prokop an der Seitenlinie zuletzt mit zwei Siegen in Folge einen schwierigen Saisonstart in einen Aufwärtstrend umwandelte. Für das Spiel gibt es unter www.thw-tickets.de , in der THW-FANWELT, bei CITTI und in allen famila-Märkten mit Ticketservice noch Eintrittskarten in allen Kategorien. Die THW-FANWELT öffnet ihre Tageskasse am Sonntag um 11 Uhr. Weiter geht's gegen Hannover, Kiel!  

THW Kiel: N. Landin (1.-60., 15 Paraden), Quenstedt (n.e.); Ehrig (n.e.), Duvnjak, Sagosen (5), Reinkind (5), M. Landin (2), Weinhold (3), Wiencek (4), Ekberg (8/4), Ciudad (n.e.), Dahmke (1), Zarabec (2), Horak, Bilyk, Pekeler (2); Trainer: Jicha
SC DHfK Leipzig: Saeveras (1.-45., 7 Paraden), Birlehm (45.-60., 3/1 Paraden); Wiesmach, Ernst (1), Witzke, Krzikalla (5/1), Binder (5), Mamic (2), Jotic (1), Ivic (4), Remke (2), Sunnefeldt (5), Milosevic (3), Esche, Hanemann; Trainer: Haber

Schiedsrichter: Ramesh Thiyagarajah / Suresh Thiyagarajah
Zeitstrafen: THW: 5 (Weinhold (8.), Duvnjak (29.), Wiencek (39.), Horak (56.), Sagosen (58.)) / Leipzig: 5 (Ivic (13.), 3x Ernst (16., 30., 56.), Sunnefeldt (35.))
Disqualifikation: Ernst (3. Zeitstrafe (56.))
Siebenmeter:  THW: 5/4 (Birlehm hält Ekberg (45.)) / Leipzig: 1/1
Spielfilm: 0:1, 1:2, 4:2 (8.), 7:5, 8:7 (15.), 11:7 (19.), 11:9, 13:9 (25.), 13:11;
14:12, 15:13 (34.), 20:13 (38.), 23:16 (44.), 23:19 (45.), 24:21 (47.), 26:21 (49.), 30:24 (56.), 31:27 (59.), 32:28.
Zuschauer: 9000 (Wunderino Arena, Kiel)

STIMMEN ZUM SPIEL:

THW-Trainer Filip Jicha: Wir haben bis zur 46. Minute und der zweiten Auszeit von Sebastian in der zweiten Hälfte sehr geduldig gespielt und fleißig gearbeitet. Beides braucht man gegen BHC. In den letzten 15 Minuten habe ich bei meinen Jungs ein bisschen Angst gespürt, aber diese Angst gehört nicht in unser Spiel. Aber auch das ist ein Prozess, in dem wir uns befinden. Wenn wir uns einige "blöde" Fehler nicht leisten, bekommen wir das Spiel gut hin. Wir spielen dann auch die Chancen heraus, aber dann was Tomas (Mrkva) mit seiner präsenten Art da und hat uns unter anderem Tempogegenstöße und Siebenmeter weggenommen. Insgesamt war unsere Angriffseffektivität in der zweiten Halbzeit nur bei kmnapp über 30 Prozent, das ist eigentlich viel zu wenig, um ein Spiel zu gewinnen. Deshalb waren meine Jungs in der Kabine auch geknickt, ich habe ihnen aber mit auf den Weg gegeben, dass wir 46 Minuten gute Arbeit abgeliefert und zwei Punkte geholt haben. Das war wichtig, zumal Peke und Miha aufgrund von Infekten kaum spielen konnten. Aber auch das ist eine der Herausforderungen, denen wir uns stellen. Ich freue mich auf unser nächstes Spiel und habe neben einem Dank eine große Bitte an unsere Zuschauer: Die Jungs brauchen Euch in dieser schwierigen Phase mehr denn je. Auch am Sonntag gegen Hannover!

BHC-Trainer Sebastian Hinze: Wir sind ganz gut in dieses Spiel gekommen, haben die zweite Welle, die Schnelle Mitte und die erweiterte Angriffsphase der Kieler mit zwei Kreisläufern gut verteidigt und zunächst auch gegen die 3-2-1 gute Lösungen gefunden. Einige einfache Ballverluste haben dann den Unterschied zur Pause ausgemacht. In die zweite Halbzeit starten wir wieder mit guten Entscheidungen, bis Landin starke Paraden gegen die Außen und die Halbpositionen hatte. Über eine sehr starke Torwartleistung von Mrkva haben wir dann in die Partie zurückgefunden und in den letzten Minuten überragend gedeckt. So haben wir die Chance auf einen Punkt bekommen, der natürlich super gewesen wäre. Aber dass wir hier nach minus sieben zurückgekommen sind, kann ich meinen Jungs hoch anrechnen.

Sander Sagosen bei Sky: Wir hatten alles unter Kontrolle und waren nach 45 Minuten mit sieben Toren vorne. Dann haben wir nur noch ein Tor in den letzten 15 Minuten gemacht, das ist natürlich nicht gut genug. Wir haben dennoch weitergearbeitet, und Niklas hält den letzten Ball stark. Wir haben die zwei Punkte, das ist entscheidend. Wir müssen arbeiten und weitermachen, einfach im Training weiter Gas geben. Die Zuschauer haben uns heute gegen Ende sehr geholfen.

THW-Trainer Filip Jicha: Ich bin zufrieden mit den zwei Punkten. Es wird für uns nie eine Selbstverständlichkeit sein, ein Bundesliga-Spiel gegen einen starken Gegner zu gewinnen. Es ist aber unglaublich wichtig bei den Punktspielen 20 bis 30, dass wir uns das Leben selbst nicht so schwer machen. Heute haben wir 100-prozentige leichtfertig verschossen und mit unseren Technischen Fehlern - zehn an der Zahl - Leipzig bei Laune gehalten. Das hat mich ein bisschen geärgert. Dann starten wir mit viel Spielfreude in den zweiten Durchgang, legen einen 5:0-Lauf hin und haben die Möglichkeit, das Spiel frühzeitig zu entscheiden, und kassieren dann nach Fehlern aber gleich ein 0:3. Trotzdem habe ich gute Ansätze gesehen, denn die Handball-Bundesliga ist weit davon entfernt, dass eine Mannschaft einen Gegner nach Belieben dominiert. Deswegen ist diese Liga so enorm spannend. Heute haben wir zwei Punkte gegen starke Leipziger geholt, Donnerstag geht es gegen den HC Vardar in der EHF Champions League ebenfalls um wichtige Punkte. Da müssen wir wieder voll da sein.

Leipzigs Trainer Andre Haber: Ich bin enttäuscht, wie das Spiel gegen eine der besten Mannschaften der Welt in dieser herrlichen Halle verlaufen ist. Vor allem mit dem Ergebnis zur Pause. Wir hatten in der ersten Halbzeit einen guten Torwart und einen guten Rückzug, machen aber viel zu viele Fehler. Ohne diese Unzulänglichkeiten hätten wir auch ein 14:13 mit in die Halbzeit nehmen können. Ein Kompliment aber an meine Mannschaft, dass es nach dem 13:20 kein hässlicher Nachmittag für uns wurde. Aber wenn eine Mannschaft wie der THW Kiel uns eine Chance anbietet wie in der ersten Hälfte, müssen wir diese am Schopf packen.  

THW-Rückraumspieler Steffen Weinhold: Wir sind gerade in einer Phase, wo die großen Ziele am Saisonende noch unendlich weit weg erscheinen, man trotzdem immer präsent sein muss. Deshalb sind wir vielleicht auch ein bisschen müde im Kopf, müssen dies aber schnell verdrängen.  

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